Wo sind denn hier die Nonnen?

Viele Schätze sind bei einer Führung durch das Kloster Walsrode zu entdecken

Ein geheimnisvolles Gebäude, vollständig abgeschottet von hohen Mauern, in dem Nonnen ständig beten oder auf den Knien mühevoll den Boden schrubben. Dazu irgendwo im Dunkeln verborgen unterirdische Gänge – die Vorstellung von Klöstern sind sicherlich bei vielen geprägt durch alte schwarz-weiß Filme aus dem Fernsehen. Besucher, die mit diesen Klischees das Kloster Walsrode aufsuchen, werden ziemlich enttäuscht werden. Auf alle diejenigen dagegen, die völlig unvoreingenommen kommen, wartet eine „Ruheoase“, in der sie die Seele baumeln lassen können.

Direkt nach dem Eintritt durch das Tor, das zwar ge-, aber nicht verschlossen ist, fällt dem Besucher bereits die Stille auf. Kaum etwas von dem Lärm dringt durch und über die Mauern auf das Gelände, das mitten in der größten Stadt des Heidekreises liegt. In der parkähnlichen Anlage finden sich viele Objekte, die zum Verweilen einladen. Alte Bäume, gepflegte Blumenbeete, ein alter Brunnen und viele Gedenksteine bieten vieles für das Auge.

Doch auch innerhalb der Gebäude gibt es einiges zu entdecken. Dazu haben Besucher täglich dreimal bei Führungen Gelegenheit – von April bis September um 15, 16 und 17 Uhr, im Oktober fällt aufgrund der früher einsetzenden Dunkelheit der letzte Termin weg. Rund 4000 Gäste nutzten im vergangenen Jahr die Gelegenheit, die außergewöhnlichen Schätze des Klosters zu bewundern. Dies blickt auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurück, ist das älteste der sechs zwischen Elbe und Aller heute noch bestehenden „Heideklöster“. Vor 986 wurde es gegründet. Genauere Angaben sind nicht mehr nachzuvollziehen, da ein großer, von einem Blitzschlag ausgelöster Brand 1482 großen Schaden anrichtete, neben einem großen Teil der mittelalterlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden auch die Urkunden vernichtet.

Imponierend ist das „Lange Haus“. In dem „Langen Gang“ des Hauptwohnhauses mit seinen Barocktüren finden sich die Wappenschilder der Bewohnerinnen. Von dort aus gelangt man in die prachtvolle Kapelle, in der es unter anderem eine aus der Zeit um 1300 stammende lebensgroße Holzfigur des Grafens Wale, der das Kloster gegründet haben soll, zu entdecken gibt. Äußerst sehenswert ist auch der Remter. Der Festsaal des Klosters im gotischen Stil beinhaltet unter anderem Gemälde der Äbtissinnen.

Geleitet werden die Führungen abwechselnd von den neun Frauen, die zurzeit im Kloster Walsrode leben. Das Interesse, das Kloster den Besuchern nahezubringen, ist eine der Voraussetzungen für die Aufnahme in den Konvent. Des Weiteren werden eine aktive Mitgliedschaft in einer evangelischen Kirche, der Familienstatus „alleinstehend“, eine eigene Versorgung und die Bereitschaft, sich in die Gemeinschaft einzufügen, vorausgesetzt. Nebenbei bleibt aber noch Zeit, eigenen Hobbys und Interessen nachzugehen. Daher sucht man im Walsroder Kloster Nonnen vergeblich, auch wenn immer wieder Besucher danach fragen. Und auch mittelalterlichen Vorstellungen erteilen die Frauen eine Absage. Ihre Privatwohnungen sind zwar nicht Gegenstand der Führungen, die Gäste dürfen ihnen glauben, wenn sie ihnen versichern, dass sie auch auf Heizungen, Fernsehen, Telefon und Computer zurückgreifen können.

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